Grußwort
Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer
der Tage der seelischen Gesundheit,
wenn ich mit Menschen ins Gespräch komme, die psychische Probleme haben, dann dominiert ein Thema, ein Begriff alles andere: Selbstbestimmung. Wir wollen selbstbestimmt leben, höre ich oft. Und dazu gehört: Wir wollen Verantwortung übernehmen, auch in der Arbeitswelt. Selbst zu bestimmen, heisst auszuwählen und Entscheidungen zu treffen. Wir möchten die Wahl haben, in welche Schule wir gehen. Wir möchten die Wahl haben, wo und wie wir wohnen.
Warum gelingt die Umsetzung dazu oftmals nur sehr bedingt? Es geht hier nicht nur um mangelnde Förderinstrumente oder vielleicht ausbaufähige Gesetzesvorhaben. Viele Ursachen liegen tiefer. Viele Menschen haben ein Problem mit Menschen umzugehen, die eine psychische Erkrankung haben. Vieles ist für Außenstehende schwer nachvollziehbar. Nicht sichtbar. Fremd. Etwas unheimlich, vielleicht sogar. Deshalb muss die gesellschaftliche Sensibilisierung für psychische Erkrankungen verstärkt und damit die Entstigmatisierung der Betroffenen gefördert werden.
Hier setzen die Tage der seelischen Gesundheit 2026 an. Hier kommen Menschen zusammen, hier wird Bewusstsein geschaffen und die Öffentlichkeit sensibilisiert. Und es wird nach gemeinsamen Wegen gesucht. Gemeinsame Wege in einer Zeit und in einem politischen Umfeld, wo so oft das Trennende betont wird.
Mit etwas Sorge betrachte ich auch das schwindende Vertrauen in Teilen unserer Gesellschaft. Und damit meine ich nicht nur das Vertrauen in staatliches Handeln. Ich meine auch das Vertrauen in eigene Stärke und Kompetenz. Vertrauen gewinnt nicht, wer große Erwartungen weckt, die schnell zerplatzen. Vertrauen gewinnt am Ende auch nicht, wer radikal schlichte Lösungen anbietet. Am Ende geht es um greifbare Lösungen und praktische Ergebnisse.
Die Tage der seelischen Gesundheit führen Menschen zusammen, die Erfahrungen und Ideen haben und damit ganz sicher einen wertvollen Beitrag dazu leisten können. Und damit wird über die Veranstaltung hinzu ein klares Zeichen gesetzt, wie wir miteinander in dieser Gesellschaft leben wollen.
Ich danke dem Team von freiraum e.V. und allen, die an der Vorbereitung und Durchführung mitgewirkt haben.
Interessante Einblicke und einen guten Austausch wünscht
Silvio Witt
Bürgerbeauftragter des Landes M-V